Bild: LePaien_Kunst, Art, Architecture, Architektur, Städtebau, Architekturphotographie

 

Bild: KulturKonsole St.Trinitatis in Leipzig von LePaien_Architecture, Architektur, Städtebau, Entwurf

"Die Sphaere rollt: das liegt in der Natur der Sphaere. 

Oben ist bald unten und unten oben. 

Nicht allein, dass himmlisches

und irdisches sich wiedererkennen, 

Sondern es wandelt sich auch 

das himmlische ins irdische,

das irdische ins himmlische."

 

 

- Thomas Mann

 

 

 

Die dritte Veroeffentlichung mit Werk Stadt Leipzig Ost ist Umnutzung eines sakralen Baus - Kulturkonsole St.Trinitatis | LePaien. Diese Arbeit umfasst auf 120 Seiten in Text-, Photographie u. Sktech-Form die vielfaeltige Analyse und konzeptionelle Auseinandersetzung mit Bezug zu allen Beteiligten bis hin zum baukuenstlerischen Entwurf des Autors aus dem Jahr 2014/2015. Das Ergebnis ist die Kulturkonsole St.Trinitatis. Im Folgenden sind aus Auszüge der Arbeit zu sehen.

 

 

Im Zuge der gesellschaftlichen Betrachtung werden moderne und vor allem nachkriegsmoderne Kirchen eher als verzichtbar bewertet, waehrend solche aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg allgemein als schuetzenswert gelten. Die verbreitete Einschaetzung ist meiner Ansicht nach kritisch zu beurteilen. Sie wird fast zwangslaeufig - wie allgemein gewoehnlich – von einer zeitlichen Naehe provoziert,

die eine umfassende Rueckschau aus historischer Distanz noch gar nicht ermoeglicht.

Der Mitgliederschwund der groszen Kirchen ist Teil einer Umstrukturierung der Gesellschaft, wie sie in anderer Form in den vergangenen Jahrtausenden schon mehrfach vorgenommen worden ist.

 

Alte Ordnungen verlieren an Verbindlichkeit, womit eine noch immer fortschreitende Erosion stabiler sozialer Zusammenhaenge einhergeht.

Sakralarchitektur wird profaniert. Die Menschen sind deshalb gezwungen, sich ihr Leben taeglich neu selbst zu gestalten und dabei soziale Netzwerke aufzubauen, die nicht mehr von Kirche, Familie oder Tradition getragen werden.

Doch diese Individualisierungsprozesse sind nicht allein kulturpessimistisch negativ zu bewerten, schaffen sie doch Wahlfreiheit und strukturelle Offenheit.

Die sozialwissenschaftlich Netzwerkforschung prognostiziert seit Jahren, dass auf gemeinsamen Interessen beruhende Netzwerke das ersetzen werden, was einmal Gesellschaft war. Dieser Hintergrund verdeutlicht grundlegende Potenziale fuer einen sozial-kulturellen Umnutzen der St.Trinitatis-Kirche von 1982 in dem Gesellschaft synthetisiert wird, Kollektive gebildete werden, Kommunikation stattfindet und stadtraeumliche Integration ermoeglicht wird.

 

Durch den Hintergrund einer ungenuegenden Bausubstanz sind Gruende fuer einen Abriss der Nebengebaeude und gezielte Sanierungen am Hauptgebaude zu Gunsten einer temporaeren Nutzung gegeben.

Aus Kirchensicht ist eine Verpachtung oder Uebereignung an Dritte ueber Nutzungsvorgaben moeglich - was fuer dieses Projekt ein naheliegender Fall waere.

Eine Umnutzung mit kultureller Funktion durch den Waldstraszen e.V. als Paechter auf 99 Jahre begreift den Bund und die Stadt Leipzig, Anwohner und Oeffentlichkeit, sowie Investoren als relevante Akteure.

 

 

 

 

Das Hauptgebaeude der St.Trinitatis von 1982 hat besondere emotionale, symbolische, historische und gestalterische Qualitaeten und ein zentrales Verhaeltnis zu seinem Umfeld; dem Waldstraszenviertel. Der Bau ist Teil eines Quartiers dessen gesamtstaedtische Strahlkraft bisher nicht voll entwickelt werden konnte.

 

Die Städte gehen heute davon aus, dass die lebendigen kreativen Milieus wesentlich zur überregionalen Attraktivität beitragen. Auch Leipzig stellt, die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft ins Zentrum des Stadtentwicklungskonzeptes und verspricht sich davon wesentliche Impulse für ihre Zukunftsfähigkeit.

Die Masznahmen fuer eine veranstaltungs-kulturelle Umnutzung sind als eine Investition zu betrachten, die einen architektonischen, sozialen, kulturellen und damit auch finanziellen Mehrwert haben werden. Das Waldstraszenviertel kann sich mit einer solchen Einrichtung nicht nur nachhaltig profilieren sondern, sondern auch einen lebensqualitativen Mehrwert fuer die Stadt Leipzig bieten.

 

 

 

 

Die Kulturkonsole St.Trinitatis ist ein  Kuenstlerapartment, Kulturcafé & Veranstaltungsort.

 

Das Leipziger Stadtentwicklungskonzept sieht eine Oeffnung u. des Flusses; eine qualitative Betonung vor. Dieser Hintergrund verdeutlicht den Fluss als territoriale Verbindung und nicht mehr als Begrenzung. In der Folge resultiert die Setzung des Neubaus aus der staedtebaulichen Struktur des Waldstraszenviertels.

Diese Zeilen des profanen Wohngebietes öffnen sich Richtung Norden über den Fluss in Bezug zum Sakralbau St.Trinitatis So ist der Neubau neben dem ungenutzten Sakralbau symbolisch als als profaner Archetypus gestaltet.

 

 

 

Der einzige offensichtliche Bezug zum Sakralbau entsteht durch die Wiederverwendung der axialen Betonelemente. Das diaphane; das göttliche Licht faellt nicht mehr introvertiert: Das Objekt - des Abends, zur kulturellen Stunde, illuminiert - scheint extrovertiert mit einer symbolischen Strahlkraft die in allen Sprachen spricht und zum Aufhalten einlaedt.

 

Kulturkonsole St.Trinitatis | nominated, Bremmerpreis, HTWK, Leipzig, GER 2015