Bild: LePaien_Kunst, Art, Architecture, Architektur, Städtebau, Architekturphotographie

 

Das Festspielhaus Hellerau – Europaeisches Zentrum der Kuenste, Dresden.

1902 wurde die Deutsche Gartenstadtgesellschaft gegruendet. Ihr Idealkonzept kann in folgendem Verstanden werden: Ausschluss von Bodenspekulation und gesellschaftliches Obereigentum, Installation und Sicherung von Industrie bzw. Handwerksproduktion und naturverbundene, architektonisch- kuenstlerischen Prinzipien folgende Siedlungsformen.

Die Gruendung der Gartenstadt Hellerau hat zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zu insgesamt neuen Denkansätzen in Stadt und Siedlungsplanung gefuehrt, die sich auch auf die Formsprache der Architektur selbst ausgewirkt haben.

 

Hellerau gegenwaertig | Initiativen Dresdener und internationaler Kuenstler haben direkt nach der deutschen Wiedervereinigung dazu gefuehrt, dass eine Rueckgewinnung des Festspielhausgelendes fuer Kunst und Kultur wieder ins Auge gefasst werden konnte.

Die WuestenrotStiftung war ueber 10 Jahre partnerschaftlich an der Revitalisierung beteiligt. Die Stiftung hat zahlreiche Menschen und Institutionen motiviert dazu beizutragen, das kulturelle und denkmalgeschuetzte Ensemble fuer Dresden wiederzubeleben.

Fuer die Betreiber ist es von Wichtigkeit  ein Zeichen zu setzten, dass in Hellerau Tanz, Theater und Medienkunst eine neue Heimat finden koennen.

Heute verstehen die Betreiber die Verantwortung, nicht nur indem Erhalt der Architektur, sondern auch in einem geistigen Ansatz Hellerau neu, d.h. zeitgemaeß zu denken. Eine Wiederbelebung des Ortes ist ein dauerhaftes Ziel.

 

Zur Architektur | Heinrich Tessenhows Festspielhaus gilt heute als Inkunabel der Architektur des 20.Jahrhunderts. Die Vorreiterolle zeigt sich in der Formsprache, der Gebaeudestruktur und in deren originaerer Verknuepfung mit den Funktionen, die aus der Bauaufgabe resultieren, eine Experimentier-,Bildungs- und Aufführungsstaette fuer neuartige Musik- und Bewegungsformen.

Blickfang sind die beiden Spitzgiebel, deren Mitte von Vin-Yang-Motiven bestimmt werden. Die beiden nach Nord und Sued weisenden Portiken thematisieren mit ihren vier quadratischen Pfeilern Buehnenraumgestaltungen - "Drei Saeulen" - von Adolphe Appia, der das Licht als zentrale Groeße innerhalb seines hierarchisch angelegten Gesamtkunstwerks Buehne auffasste. Aber auch die deutliche Naehe zur griechischen Tempelarchitektur duerfte Dohrn nicht unwillkommen gewesen sein. Die beiden breit gelagerten Seitenfluegel und der Zentralbau stehen, wie auch alle anderen Bauteile, zueinander in proportionalen Verhaeltnissen.

Tessenows Fähigkeit als Kuenstler zu entwerfen, verhindert jede Primitivitaet. So stehen die einzelnen Bauglieder des Festspielhaueses in rhythmischen, damit maßstaeblichen Beziehungen zueinander. Gleichzeitig ist es ihm auch gelungen, die stuetzenlose Architektur frueher Basiliken und moderner Werkhallen, die bekanntlich eine multifunktionale Nutzung und eine hohe raeumliche Flexibilitaet zulassen, mit einfachen Mitteln fuer das Festspielhaus zu adaptieren. So hat bei der Eroeffnung des Festspielhauses 1912 der lichtdurchflutete Behnenraum des Schweizer Theaterreformers Adolphe Appia große Wirkung hinterlassen. Einfache, klare Kuben, gelidert und verbunden durch breite Treppen ohne Gelaender wurden von hinterleuchteten Stoffflaechen eingefasst - ohne dekoratives Beiwerk.

Heute mit groeßerem historischem Abstand, wird erkennbar, dass die Idee von einem Gesamtkunstwerk Hellerau vor allem von der Verwandtschaft der Akteure im Geiste gepraegt war.

 

 

 

Bild: Festspielhaus Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste - Bühne der Existenz von LePaien_Architecture, Architektur, Städtebau, Entwurf

 

 

 

Zur  Geisteshaltung | Hellerau ist zum Symbol einer Kulturepoche geworden, die sich selbst als Aufbruchsepoche verstand.

In Hellerau ist versucht worden, dem normalen Lebensalltag des Menschen zwischen Arbeit, Wohnen, Erholung und Familie ein lebenswertes Gesicht zu geben. Hellerau verstand sich in diesem Sinne als Lebensmodell, als eine Moeglichkeit, die schwierige Balance zwischen moderner Zeit und individueller Selbstbehauptung zu meistern. Weitergehend ist auch diese Haltung im Sinne einer "Aesthetik der Existenz" zu begreifen. Er sollte also das massenhafte wie auch das individuelle in einen vertraeglichen Einklang gebracht werden. In den Lebensvorstellungen des jungen Hellerau galt Kultur der natuerlichen rhythmischen Bewegung auch als Mittel zu zwischenmenschlicher Kommunikation und Herausbildung eines demokratischen Gemeinsinns.

Der Genfer Tanzpaedagoge Emil Jaques-Dalcroze darf dabei als ein Katalysator verstanden werden. Ihm ging es darum, den menschlichen Koerper als Ausdrucksmittel zu begreifen. Gegen den technischen Takt stellte er Koerperrhythmik, Musikalitaet und freie, gefuehlsadaequate Bewegungsablaeufe. Das Zu-sich-Finden des Individuums war die vielleicht wichtigste Vorraussetzung fuer die Inspiration, die von Hellerau ausging. Wolf Dohrn sah in einer Vorstellung Jaques-Dalcroze verwirklicht, was er unter "Kunst als notwendiges Bildungsmittel" verstand. Dohrn sah darin auch die Moeglichkeit einer Lehre, die er als geeignet ansah, um die vermeintlich kranke Zivilisation zu heilen. Dohrn ging es darum, Hellerau insgesamt zum Ausgangspunkt einer neuen geistigen Kultur zu machen. Dies bedeutet: Das Lebensmodell Hellerau, das primaer durch die Gartenstadt und die Werkstaedten repraesentiert wurde, sollte mit einem geistigen Modell gleichsam ueberfangen werden. Heinrich Tessenows Festspielhaus mit seinen Pensionshaeusern markierte die Mitte dieses von Wolf Dohrn gewollten geistigen Ortes und entwickelte sich fuer wenige Jahre zum geistig kulturellen Anziehungspunkt einer kuenstlerischen Avantgarde.

Der Mythos Hellerau resultiert aus dem großen utopischen Ansatz, der ein Gesamtkunstwerk auszeichnet: Es war ein Entwurf zu einer frei assoziierten gebildeten, produktiven und kosmopolitischen Gesellschaft.  

 

 

 

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Was bedeutet es für die Kultur zu bauen?

Architektur für Kultur sollte durch ein angemessenes Konzept, selbst zur Kulturvermittlung beitragen. Zeitgenoessische Architektur wird zu oft vorgeworfen sie sei seelenlos, geistlos und kalt zu Gunsten von ästhetischen Prinzipien.

Warum Nutzen wir nicht diese um sie mit Geist zu fuellen; durch inhaltlich adaequates Konzept den Menschen etwas zu vermitteln und zu geben?

Dies soll mein Anspruch für meine Arbeit an dem europaeischen Zentrum der Kuenste; dem Festspielhaus Hellerau sein.

 

 

 

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Theoretisches Konzept | Inhaltlich möchte ich mich also an Emil Jaques-Dalcroze Theorien orientieren. Aeußerlich moechte ich in der Tradition Heinrich Tessenows die Installation harmonisch in das Ensemble einbringen und nach Adolphe Appia wie in dem Festspielhaus selbst eine veraenderbare Nutzung bieten.

Sir Isaac Newton stellte sich den physikalisch existierenden leeren Raum als eine Art Theaterbuehne vor. Erst die fuellende Kulisse bildet die Materie und die handelnden Akteure versinnbildlichen die Prozesse der Zeit. Vorstellbar betrachtete er von einer Metaebene, einer Loge die Buehne auf der das Drama des Universums aufgefuehrt wird.

Diese Versinnbildlichung einer existenziellen Aesthetik versinnbildlicht die Aesthetik der Existenz, die fuer das Festspielhaus Hellerau von eminenter Wichtigkeit ist.

Nach Jagues-Dalcroze und Heinrich Tessenow interpretiere ich darin vor allem eine vielfaeltige Verbindung zwischen Mensch, Raum, Kosmos und eine Buehne auf der die Dramaturgien unserer Existenz seit dem antiken Griechenland thematisiert werden.

Mein Recherche hat ergeben, dass bei allen innovativen Entwuerfen im Buehnenbau die Saaltechnik und die Einheit von Zuschauerraum und Buehne wichtiger waren, als die bis dahin so zentrale architektonische Huelle.

Auch Adoplhe Appia gestaltete die Buehne das Publikum wurde frei bestuhlt. Die Buehne konnte indirekt Beleuchtet werden. Eine Buehne, die auf die „plastische“ Bewegung des Schauspielers oder Taenzers reagiert und diese gleichzeitig herausfordert. Maßstabslieferant dieser Architektur waren der Mensch und die Bewegung des Menschen.

Appia hatte dem visuellen ‚Chaos’ der Theaterkultur den Kampf erklaert und strebte nach strenger Stilisierung, Abstraktion und Einfachheit. Seine 1909 für Dalcroze entwickelten Buehnenentwuerfe, die „espaces rythmics“ zeigen weite Horizonte, vor denen sich Mauern, Pfeiler, Treppen und Rampen aus maechtigen Quadern erheben. Sie erinnern an Bildausschnitte antiker Palaeste in mediterranem Licht mit tiefen Schattenwuerfen. Spaeter in Hellerau entwarf Appia ein System aus „genormten Formen“ – das Wuerfel, Bloecke, Stufen, Wandschirme umfasste, die sich je nach Anforderung frei kombinieren ließen. Nach Appia sollte ein Buehnenbild immer dreidimensional sein.

In der Vision von Appia sind im Prinzip schon viele Grundzuege Le Corbusiers spaeterer Architekturphilosophie enthalten: freie Gruppierung von Bauvolumen im Raum, das Spiel der Volumen im Licht, die Horizonte und natuerlich die Bewegung des Betrachters im Raum.

 

Fuer die Aufgabe, welche das Schaffen einer temporären Installation ist, moechte ich das Urprinzip der Architektur praktizieren, welche es einen universalen Raum zu entwickeln auf dem Sinn gemaeß das Drama des Universums aufgefuehrt werden kann. Eine Multifunktionale Freilichtbuehne fuer jeden nutzbar.

 

 

 

Bild: Festspielhaus Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste - Bühne der Existenz von LePaien_Architecture, Architektur, Städtebau, Entwurf

 

 

 

Angewandtes Konzept | In dem Kern des Ensembles auf der symmetrischen Achse moechte ich einer Buehne verkleidet Raum geben um das grundlegende Thema Helleraus zu fokussieren und fuer alle Besucher und Darsteller auch inhaltlich zugaenglich zu machen. Fuer Intellektuelle und Interessierte, fuer Studenten und Streunende, fuer Klassenfahrten oder andere tourenden. Schließlich für das Individuum.

Eine Moeglichkeit auch fuer die Subkultur gegenueber der vorhandenen Hochkultur. Kultur ist der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Ueberlebensfähigkeit sichert. Die hochkulturellen Ideen um Hellerau koennen nur nachhaltig von Wert sein, wenn man zukuenftig denkt; vor Ort der aktuellen Subkultur und der jungen Generation Raum bietet.

Der schwarze Kubus symbolisiert das Grundelement im Buehnenbau Appias

Diese Buehne der Aesthetik der Existenz kann thematisch interpretiert und inszeniert werden oder bloß vielfaeltig genutzt werden. Eine Buehne für Inspiration und Kreation um an sich selbst zu wachsen, sich im Sinne Jaques-Dalcroze harmonisch selbst naeher zu kommen.

 

 

 

Bild: Festspielhaus Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste - Bühne der Existenz von LePaien_Architecture, Architektur, Städtebau, Entwurf

 

 

Denn was Hellerau braucht ist, wie schon durch die Wüstenrotstiftung ambitioniert, eine Wiederbelebung des Ortes durch inspiriertes Interesse, sowie Interaktion indem wir die Gesellschaft beteiligen. Was unsere Gesellschaft grundlegend braucht ist neben der Staerkung des Individuums, die Staerkung der Gesellschaft selbst und das funktioniert am besten indem sie in kulturellen Ritualen praktiziert und einen offenen Dialog beherrscht. Ich glaube so kann man Kultur kultivieren.

Die Buehne, die auch als Podium genutzt werden koennte, soll mit dem Symposium in Verbindung stehen.

Als zweites Element moechte ich eine Art Ballon installieren der auf Hellerau und seine Aktivitaeten durch Projektionen Aufmerksam macht.

Als drittes Elemente - Versorgungstuerme mit Licht und Sound.

Alle drei Elemente moechte ich wie im Theater inneren mit Buehnenkonstrukten in schwarzen Vorhang kleiden. Hier haben wir einige Sonderqualitaeten an Molton, die für besondere Zwecke gedacht sind.