Bild: LePaien_Kunst, Art, Architecture, Architektur, Städtebau, Architekturphotographie

 

The Siemens Set

 

this is a analysis by scetching and photography

on SiemensStadt focusing

varrities and affinities; on unity in diversity.

the documentary can be read in the way of Roland Barthes

who said the urban room is a literary code.

SiemensStadt is one of the oldest social housing developments

worldwide and has been innovative 80 years ago.

 

architects:

2 x walter gropius, otto bartning,

2 x hans scharoun, hugo haering.

         

 

Berlin | 100113

 

 

 

      DIEGESE

 

 

 

 

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ARCHITÉKTōN

 

 

 

 

 

EPOS

 

 

 

 

EPILOGOS

 

 

 

 

* orginal portrait-photography of the chapter "ARCHITÉKTōN" by somebody else.

 

 

 

 

"Von der dritten Dimension in die zweite Dimension

zu gehen bedeutet: Verzicht;

es bedeutet: Neues zu schaffen.

Eine Ahnung chiffreartiger Metaebenen.

So handelt es sich bei meinen Photographien

nicht um Abbildungen des Vorhandenen, sondern

vielmehr um Bildungen des Dahinter."

 

 

- LePaien

 

 

  

Das zwischen den zahllosen verschiedenen Formen dieser Welt eine Verbindung besteht ist eine der aeltesten Erkenntnisse der Menschheit. Die vor-sokratischen Philosophen vermuteten, dass das Geheimnis dieser Einheit in einer universellen Substanz laege. Heraklit wird dabei der Satz von der Einheit in der Vielfalt zugeschrieben.

In der Moderne hat sich dieser Satz als ein Grundbegriff von Kunst und Wissenschaft manifestiert. Im Jahr 1928 entwickelte der amerikanische Mathematiker G.D. Birkhoff eine Theorie der Aesthetik, die von diesem Prinzip ausging. Er fand dafuer den Namen order in complexity, also Ordnung in der Vielfalt. Seiner Theorie zufolge steht ein aesthetischer Wert in direkter Beziehung zur Ordnung und in umgekehrter Beziehung zur Vielfalt. Es handelt sich dabei um ein Verstaendnis der Aesthetik, welches auch ich vertrete. Eine Architektursprache die auch bezueglich des Neuen Bauens; sowie der Großsiedlung SiemensStadt verstaendlich ist. Neben der funktionellen Wohnqualitaet, liegt in der rationalen Gestaltung die bahnbrechende Genialitaet der Großsiedlung SiemensStadt.

J. Bronowski sagt: "Wissenschaft ist nichts anderes, als die Suche nach Einheit in der Vielfalt unserer Erfahrungen. Auch Dichtung, Malerei und die Geisteswissenschaften sind auf der Suche nach Einheit in der Vielfalt."

Das Lesen der Großsiedlung SiemensStadt offenbart uns zum einen eine Vielfalt der verschiedenen Architekturen; differenziert im Gleichen aber auch die Großsiedlung als Einheit. Als Ringsiedlung.  

Die SiemensStadt ergibt trotz der vier Architekten und ihrer sechs Bauprojekte eine vielfaeltige, aber klare Einheit. In dieser Arbeit werde ich die Charakteristika durch analytische Zeichnungen und vergleichbare Photographien untersuchen.

 

GROSIEDLUNG SIEMENSSTADT HISTORISCH | „Dort hinter der Spree erheben sich gewaltige Gebaeude in rotem Backsteinbau [...] vier- und fuenfstoeckige Gebaeude von mehreren hundert Metern Front und lange Maschinenhaeuser dehnen sich aus. Ein Kanal fuehrt bis zu den Werken und unzaehlige Eisenbahnschienen durchqueren die weiten Gelaende. Das ist die SiemensStadt.", schreibt der Anzeiger fuer das Havelland vom 1. August 1913 ueber die damals entstehende Großsiedlung SiemensStadt

 

Das Komitee der UNESCO hat am 7. Juli 2008 die Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sechs denkmalgeschuetzte Siedlungen, darunter auch die Großsiedlung SiemensStadt, repraesentieren einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und uebten in der Folgezeit betraechtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Staedtebau aus. Besonders die Großsiedlung SiemensStadt gilt national und auch international als Musterbeispiel des Bauens der Weimarer Zeit und gibt einen guten Einblick in die Vielfalt und architektonischen Moeglichkeiten des damaligen sozialen Wohnungsbaus, der mit sehr begrenzten finanziellen Moeglichkeiten ein Maximum an Wohnkomfort schuf.

Die Großsiedlung SiemensStadt ist Teil des Konzeptes der Weimarer Republik, "jedem Deutschen eine menschenwuerdige Wohnung" zu ermoeglichen: Auf der Grundlage neuer Steuergesetze erließ dazu die Weimarer Republik ein in Europa wohl einzigartiges Wohnungsbauprogramm. Bevorzugt auf preisguenstigem Grund und Boden an der Peripherie der Staedte, jedoch in erreichbarer Naehe zu oeffentlichen Nahverkehrseinrichtungen und vorhandenen Arbeitsstaetten sowie Naherholungsangeboten entstanden in Deutschland Siedlungskonzepte unterschiedlichen Zuschnitts. Bauherren waren ueberwiegend gemeinnuetzige Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften. Viele dieser Siedlungen sind heute noch zeitgemaeß und viele stehen unter Denkmalschutz.

 

Insbesondere in Berlin engagierten sich moderne Architekten im Bereich des Siedlungsbaus, die unter anderem die Großsiedlung SiemensStadt konzipierten.

Die Geschichte der SiemensStadt ist ueber Jahrzehnte hindurch eng mit der Firma Siemens verpflochten. Das Unternehmen fuehlt sich eng mit der Siedlung verbunden, obwohl es trotz Namenspatenschaft weder an Finanzierung noch an Planung beteiligt war.

In dieser Arbeit konzentriere ich mich auf das ursprüngliche Konzept; den 1. Bauabschnitt der SiemensStadt.

Der fortschrittlich denkende Stadtbaurat Martin Wagner war es, der die Gesamtleitung auf den Weg brachte. Die Großsiedlung SiemensStadt, wurde zwischen 1929 und 1931 unter der staedtebaulichen Konzeption von Architekt Hans Scharoun in Charlottenburg Nord als oestliche Erweiterung der Spandauer SiemensStadt errichtet. An der Planung der im Stil des Neuen Bauens errichteten Bloecke waren bekannte Architekten der Weimarer Republik wie Walter Gropius, Otto Bartning, Hugo Haering, Fred Forbat und Paul Rudolf Henning beteiligt. Den Beinamen Ringsiedlung erhielt das Projekt, weil außer Henning und Forbat alle beteiligten Planer, einschließlich des Stadtbaurats Wagner, Mitglieder der Architektengemeinschaft Der Ring waren.

Die Freiflaechen gestaltete Leberecht Migge (1881-1935). Bauherr war die Baugesellschaft Heerstraße, die schon Wohnsiedlungen in der damaligen Stadt Charlottenburg erstellt hatte.

Infolge der sich abzeichnenden, fuer derartige Projekte unguenstigen politischen Lage konnten weitere vorgesehene Bauteile in oestlicher Richtung (zum Stadtteil Charlottenburg-Nord hin) nicht wie geplant vollendet bzw. weitergefuehrt werden (z.B. der Rohbau am Geißlerpfad, Ecke Goebelstraße). Die oestliche Weiterfuehrung der Siedlung nach Charlottenburg-Nord hinein kam erst ab 1956 in geaenderter Form zustande.

 

DAS  EINHEITLICHES ENSEMBLE | Staedtebau & Architektur | Bis zum Reichsbahnstreik im Jahr 1980 war SiemensStadt ueber die Siemensbahn an das S-Bahnnetz angebunden, waehrend die Straßen und Plaetze der Siedlung nach Technikern, Erfindern und Physikern benannt wurden, in deren Leistungen man Wurzeln des Erfolges der Siemens AG sah.

Die relativ einfache Bebauungsformen und die rational ausgefuehrten Grundrisse der Bauten der Großsiedlung SiemensStadt fuegen sich harmonisch in die als Freizeitbereiche gestalteten Gruenflaechen mit dem alten Baumbestand der Jungfernheide ein. Die Siedlung verwirklicht damit das Konzept eines Lebensumfeldes, in dem die Erlebbarkeit zu Fuß moeglich, aber auch die fuer eine Großstadt charakteristische und notwendige Anonymitaet vorhanden ist.

Scharoun drueckte dies einmal folgendermaßen aus: "[...] Sie ist ein Raum, den ein Fußgaenger in etwa einer Viertelstunde durchquert, ein Raum, der der Erlebnisfreudigkeit des Kindes entspricht, groß genug, um Abenteuer anzusiedeln, klein genug, um das Gefuehl der Heimat aufkommen zu lassen [...]"

Die Großsiedlung besitzt jedoch keineswegs den laendlichen Charakter der von Hans C. Hertlein (1881-1963) in den Jahren 1922 bis 1935 errichteten Siedlung SiemensStadt sowie der von ihm 1930 bis 1935 konzipierten Siedlung Heimat, die baulich dicht an die Großsiedlung anschließt, aber deren architektonischen Elemente geschickt aufnimmt.

Die im Prinzip simple Bebauungsform der Siedlung erreichte durch ihre aufeinander abgestimmten Projekte und klare Beziehung zur Umgebung eine sehr raumhafte Wirkung.

Die Erschließung der Wohnzeilen erfolgt durch die oeffentlichen Verkehrsanlagen sowie schmale Wohnwege und mit scheiben- und reihenfoermigen Flachdach-Wohnzeilen im Stil des Neuen Bauens ausgefuehrt. So sind die Bauten der Großsiedlung SiemensStadt in geschlossener Randbebauung konzipiert.

Alle Zeilenbauten werden durch relativ breite Gruenguertel mit altem Baumbestand der ehemaligen Jungfernheide voneinander optisch und raeumlich getrennt, wobei auf die vorhandene natuerliche Begruenung weitgehend Ruecksicht genommen wurde - eine Forderung der Siedlungsplaner.

Damit waren die Voraussetzungen fuer ein gesundes Wohnumfeld gegeben; eine Symbiose von Wohnen und Architektur. Auch die Wohnungen mit Belichtung, Belueftung, Flaechenaufteilung sowie vertretbaren Erstellungs-, Miet- und Bewirtschaftungskosten durch Typisierung (der Grundrisse, Fenster, Tueren, Treppenhaeuser, Kuechen- und Korridoreinbauten) zeigen das Bemuehen um ein sozial vertraegliches Umfeld.

Urspruenglich wurden 1.800 Geschosswohnungen geplant. Auf einer Gesamtflaeche von 19,3 Hektar entstanden in zwei Bauabschnitten schließlich 1.370 Wohnungen mit Wohnungsgroeßen von 1 bis 3 ½ Zimmer. Prozentual sind davon 90 % bis 2 ½ Zimmer groß.

Zur damaligen Zeit wohnten zu meist vielkoepfige Familien darin. Jede der groeßtenteils um 48, einige bis 70 m² großen Wohneinheiten wurde mit  Bad und Innentoilette, Zentralheizung und damals fortschrittlichen Warmwasserversorgung, einem Balkon, einer Loggia und/oder Sonnenterrasse geplant.

Die meist recht kleinen, vielfach nur fuer zwei Personen ausreichenden Balkone bzw. Loggien sind nicht nur Anbauten: Sie gelten auch als gestalterisches Element und verbinden funktional den Wohnraum mit den begruenten Freiraeumen zwischen den Wohnzeilen und eroeffnen damit einen zusaetzlichen Erlebnisbereich.

Zum Wohnkomfort gehoerten auch ein Gasherd mit vier Kochstellen und Bratroehre, Ausguss, Speiseschrank, Spuelbecken mit Topfbrett. Alle Raeume, Baeder und Kuechen waren mit pflegeleichten Linoleum- bzw. Terrazzofußboeden versehen.

 

Additiv wurden 11 Einzelhandelslaeden und 5 Bueros errichtet. Die Grundstuecksflaeche betrug damals rd. 159.970 qm, die Wohn- und Nutzflaechen rd. 91.650 qm.

Die verschiedenen Entwuerfe besitzen neben funktionalen Gemeinsamkeiten im Innenraum auch formale Aehnlichkeiten aeußerlich betrachtet. So sitzen die Fassaden auf schmalem Ziegelsockeln auf, sind glatt verputzt, meist hell geschlemmt oder mit vorwiegend terrakottafarbenen Klinkern und Fliesen geschmueckt; in der Regel sind Vorder- und Rueckseiten unterschiedlich gestaltet.  

Die verwendeten Formen und Ausfuehrungen der Eingangstueren und Fenster sind in den Horizontal- bzw. Vertikalachsen meist gleich, variieren jedoch in ihrer Anzahl und in Rechteck-, Schlitz- und Quadratformen; Rundfenster treten nur als Akzentuierung auf.

Die Hoehe der Gebaeude betraegt bei den viergeschossigen Zeilen 16 m, der Zeilenabstand zueinander 28 m. Stuetz- und abgrenzende Mauern sind in Ziegelstein mit statisch laengstragenden Seiten mit bis 38 cm starken Außenwaenden ausgefuehrt, nach oben hin schmaler werdend. Nicht tragende Innenwaende bestehen aus 8 cm dicken Ziegelsplittplatten oder Kohleschlackenstein.

Die Geschossdecken sind aus Stahlbeton bzw. Stahlstein mit einer Staerke von bis 27 cm und teils mit Schlackenstein verfuellt. Die Raumhoehe der Wohnungen liegt bei etwa 2,84 m.

Die zu dieser Zeit in anderen Siedlungen praktizierte Stahlskelettbauweise und die Montage vorgefertigter Bauteile fanden in der Großsiedlung keine Anwendung, da hierfuer weitere kosten- und zeitaufwendige Vorarbeiten und Versuche erforderlich gewesen waeren.

 

DAS VIELFAELTIGES ENSEMBLE | Handschriften & Architekten | Alle Architekten waren bestrebt, trotz recht einschneidender Vorgaben bezueglich der Wohnungsgroeßen ein moeglichst vielfaeltiges Angebot unterschiedlicher Grundrisse zu schaffen - Vielfalt in der Einheit - wie dies insbesondere an den differenzierten Wohnungsangebot von Scharoun und Forbat erkenntlich ist.

 

GROßSIEDLUNG SIEMENSSTADT GEGENWAERTIG | Nach heutiger Regelung befindet sich SiemensStadt auf Charlottenburg-Wilmersdorfer Gebiet, nur ihr westlicher Teil liegt in Spandau. Zu SiemensStadt gehoert auch die durch den Alten Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und Hohenzollernkanal gebildete Insel Gartenfeld, auf der weitere Siemens-Werksanlagen (bis 2002 „Kabelwerk Gartenfeld“) errichtet wurden. 2013 heißt der Eigentuemer Deutsche Wohnen AG, GSW Immobilien GmbH.

"Fuer die damalige Zeit war dieses Wohnen ein unglaublicher Luxus", erzaehlt mir Herr Bienek, der inoffizielle Experte des SiemensStadt. Er wohnt in diesem besonderen Stadtteil und das seit nunmehr 20 Jahren. Bienek ist seine Stadt ans Herz gewachsen.

"Waerme und heißes Wasser kamen vom siedlungseigenen zentralen Heizwerk. Es war das erste seiner Art in Berlin [...] und deswegen hieß die Siedlung auch rauchlose Stadt", sagt Bienek. Beim gegenwaertigen Zustand ist allerdings einige Fantasie noetig, um der urspruenglichen Motivation folgen zu koennen. Der Zahn der Zeit nagt sichtbar am Bauwerk. Schließlich ist die Siedlung fast 80 Jahre alt. "Der Zugang am Panzerkreuzer sieht schlimm aus", bedauert Bienek.

Heute wohnen in den Einheiten Singles oder Paare ohne Kind; insgesamt 2800 Menschen. Im Juni 2008 hatte die SiemensStadt 11.388 Einwohner, damit ist der relativ duenn besiedelte Ortsteil bevoelkerungsmaeßig mit einer deutschen Kleinstadt vergleichbar.

Obwohl die Sanierungsprojekte seit 1982 bis in die Gegenwart die alten Fassaden wieder leuchten lassen und viele Infotafeln die Straßen saeumen, schaetzen nicht alle der Bewohner das Ensembles der fruehen Moderne.

Die Nutzung der Gruenflaechen oder der Dachebenen als Sonnenterrasse bzw. Dachgarten wird damals wie heute nur von wenigen Mietern praktiziert, was laut Anwohnern natuerlich auch daran liegt, dass diese Flaechen von sehr zahlreichen fremden Personen aus den benachbarten Hausaufgaengen zugaenglich sind. Fuer Familien mit kleinen Kindern sind auf den Rasenflaechen entsprechende Spielplaetze eingerichtet, die auch heute rege genutzt werden.

Die Siedlung gilt als sozialer Brennpunkt und die Bahnstrecke steht bereits seit den 1980er Jahren still. Die Anbindung an das Berliner Zentrum und die Spanndauer Altstadt wird ueber die U-Bahnlinie 7 geregelt.

Infrastrukturell hat sich mittlerweile auch die Wirtschaft verlagert: Industrie-, Werksanlagen und andere Unternehmen besiedeln die Umgebung, waehrend die Siemens AG nur noch eine einzige kleine Halle betreibt.

Heute ist die Wohnsiedlung großenteils bewachsen.

Noch heute findet woechentlich montags und donnerstags im Quellweg ein – in der letzten Zeit stark geschrumpfter – Wochenmarkt statt.

Im Jahr 2010 wurde im Bereich des U-Bahnhofs Paulsternstraße der Siemensstadt-Park eroeffnet. Er wurde anstelle der urspruenglich geplanten Siemens-Arena gebaut und bietet ein Einkaufszentrum sowie eine Mehrzweckhalle. Laut einer Bewohnerin des Panzerkreuzers seit 1972 ist  SiemensStadt-Park in die Struktur integriert und wird von den Bewohnern angenommen.

 

ZUR PHOTOGRAPHISCHEN ANALYSE | Nach vorangegangenen Erkenntnissen koennen wir die Vielfalt in der Einheit & die Einheit in der Vielfalt also auf verschiedenen Ebenen lesen und interpretieren. Dies bezueglich stellt die fotografische Arbeit auch einen Augenoeffner da. Erst daher die vielen Bilder.

In der dokumentarischen Fotoserie thematisiere ich ausschnitthaft verschiedene Fragmente mit der Intention die Einheit und Vielfalt der Großsiedlung SiemensStadt ablesbar zu machen.

Es ist ein wesentlicher Teil der Bedeutung, wenn ich Variationen von Stadtraeumen aufsuche, um das Affine mittels der Kamera in Bildserien zu formulieren.

Analytisch sind es zuerst die Texturen, dann die Flaechen und schließlich die Schichtungen des bebauten Raumes, wie die architektonischen Ordnungsprinzipien, die Spuren der Bewohner und die Zeichen der Zeit die ich anhand langer Belichtungszeit in Schwarz/Weiß nachzeichne und so Hierarchien bauelementarer Regimes thematisiere.

Interpretiert fungiert auch eine Fensteroeffnung - ferner - als Teil der Komposition; als Muster visueller Affinitaet, - genauer - als aesthetisches Prinzip, dessen Mehrzahl fuer diese Bilder typisch sind. Die Photos bilden Einheiten durch Hoch- und Tieftoene in den Graustufen, elementare Repetition, deren Einzelteile individuell oder veraendert sein koennen, jedoch immer zum Ganzen finden. Die summierte Taktung schafft somit ein Fundament für eine komplexe, aber klare Komposition. Eine ausschnitthafte fragmentarische Verbildlichung der Architekturen.

 

Zusammenfassend nutze ich nach vorangegangener visueller Analyse Inszenierungen des privaten wie des oeffentlichen, des gebauten Raumes und konzipiere folgend in typologischen Serien Konstanten in den urbanen Kulissen.

Bei genauerer Betrachtung verliert sich auch hier die nachvollziehbare Abfolge der Ansichten, da die tatsaechlichen Konstellationen der Gebaeude in eine unabhaengige Ordnung gebracht wurden. Ich verfolge dabei die Absicht den Betrachter entlang einer Konstante durch die urbane Dramaturgie zu leiten und Vergleiche vor Augen zu fuehren.

Das SiemensSet verfolgt also den Anspruch ganz aehnlich der Stadt selbst, eine persoenliche Lesart von Spuren und Zeichen zu offenbaren, die sich zeigen, wiedergeben, aufschreiben oder auch in Fotografien darstellen laesst.

 

Am Ende der meiner Arbeit, an dessen Anfang das Vorfinden eines charakteristischen Raumes war - Der SiemensStadt - steht nun ein neuer Text voller Informationen, der sich zwischen und mit den fotografischen Bildern ausbreitet.

Zusammenfassend sind die Fotografien ein idealer Abdruck meiner Ansicht zugunsten einer urbanen Lesbarkeit. Verschiedene Architekturen die sich aeußerlich unterscheiden, aber in Serie inhaltlich eine konstante thematische Erzaehlung halten entwickeln von Bild zu Bild eine Dramaturgie, die den Betrachter entlang eines roten Fadens durch die Grossiedlung SiemensStadt fuehrt.

  

ZUR ZEICHNERISCHEN ANALYSE | Bei der Serie analytischer Zeichnungen galt fuer mich die Intention die Vielfalt der Einheit bewusst ablesbar zu machen. Es ging also weniger darum, wie in der Fotoserie, die Bildungen in ihren Tiefen und Ebenen ablesbar zu machen, sondern vielmehr darum, die oberflaechlichen Formungen der Gebaeude fassbar zu machen. Dabei beruehrt das Auge funktionale Kanten auf zwischen Glatten Mauerflaechen bis zu Rundungen architektonischer Gesten. Die Details zeigen eine zeitgenoessische, aber auch persoenliche Handschrift der Architekten.

Die gestalterische Progression Hugo Haerings kontrastiert im Gegensatz zu dem sachlich gehaltenen Stil Walter Gropius. Der Panzerkreuzer von Hans Scharoun koennte aufgrund seiner expressiven gestalterischen Kraft als das Wahrzeichen der Großsiedlung SiemensStadt gelten. Sein Name ist dabei nur der erste Beweis einer visuellen Assoziation. Der lange Jammer wirkt auch heute noch traege und muss dieser auch in der Hand der Kritiker als Negativbeispiel der Siedlung hinhalten.

In dieser Analyse habe ich mich zu Gunsten der Intention auf jene Elemente konzentriert, die mir nach dem vorherigen Besuch imageartig im Kopf blieben. Im Gegensatz zur objektiven fotografischen Analyse handelt es sich bei der zeichnerischen Analyse also um eine subjektiver Vielfalt.

Die vorrangegangenen Fotoserie habe ich bewusst in Anlehnung an eine traditionelle griechische Dramaturgie gestaltet. So ist in Folge dessen auch die zeichnerische Arbeit in dieser Konsequenz. Die Diegese ist ein analytischer Begriff der griechischen Erzaehltheorie. Die Diegese lenkt die Aufmerksamkeit auf den Sachverhalt, ob etwas innerhalb oder außerhalb der erzaehlten Welt ist. Ich moechte also auch mit diesem Teilkapitel den Betrachter auf verschiedenen Ebenen zum lesen und nachdenken anregen.

Dazu zitiere ich nach einem besonderen Ausschnitt meiner Subjektivitaet, jeweils ein kleines Fragment, so entsteht immer ein Mikro- und ein Makro-Ausschnitt.

 

GROßSIEDLUNG SIEMENSSTADT | ZUSAMMENFASSUNG | Im vorangegangenen galt der Anspruch die SiemensStadt hintergruendig zu Erklaeren, objektiv verstaendlich zu machen und durch die Zeichnungen einen subjektiven Eindruck der Siedlung erfahrbar zu machen.

Die Einheit in der Vielfalt und  die Vielfalt in der Einheit koennen wir nun sehr genau differenzieren und definieren. Das bewusste Befassen mit der Groszsiedlung SiemensStadt hat in der Folge zu einem komplexen aber verstaendlichen Begriff gefuehrt. Dabei lesen wir aehnlich einer Bestandsaufnahme den Zustand der Siedlung - 80 Jahre nach seiner Errichtung. Die SiemensStadt gibt einen guten Einblick in die Vielfalt der architektonischen Formulierungen des damaligen sozialen Wohnungsbaues, der mit sehr begrenzten finanziellen Moeglichkeiten ein Maximum an Wohnkomfort schuf. Das alle daran beteiligten Architekten mit dieser Reformsiedlung in Berlin Weltgeltung erlangten ist nachvollziehbar.

Diese Architektur war fortschrittlich, weil sie soziale Aspekte beruecksichtigte und sachlich sowie zweckbetont ist. Dieses Ensemble des neuen Bauens galt als innovativ und wurde deswegen auch Reformsiedlung genannt.

Durch die Sanierungsmaßnahmen der letzten Jahre wird das Ensembles wiedererlebbar. Ebenso wird die urspruengliche Intention; der Movens der Architekten nachlesbar.

Der Innovative Ansatz, den einheitlichen Menschen in einer vielfaeltigen Gesellschaft zu beruecksichtigen ist fuer die Architekturschaffenden genauso beispielhaft, wie die Kritik der Menschen, die tatsaechlich mit der Ausfuehrung leben muessen.

Es galt die Intention nach Roland Barthes Verstaendnis aus den staedtischen Fragmenten zu zitieren, um eine Dramaturgie zu entwickeln, die den Betrachter entlang einen roten Faden der Erkenntnis fehrt.

 

Fuer mich ist diese Arbeit neben den gewonnenen Erkenntnissen auch eine persoenliche Hommage an die Architektur der fruehen Moderne.

 

Bei diesem Text handelt es sich um Auszuege aus der Arbeit Die Einheit der Vielfalt, Die Vielfalt der Einheit - Die Großsiedlung SiemensStadt | LePaien von 2013.

 

 

Leipzig | 300113